Die Genetik des menschlichen Blutes

Bluttypen

Bestimmte chemische Substanzen in den roten Blutkörperchen (wie die oben genannten ABO- und MN-Substanzen) können als Antigene dienen. Wenn Zellen, die bestimmte Antigene enthalten, in den Körper eines Versuchstieres, z. B. eines Kaninchens, eingebracht werden, reagiert das Tier mit der Produktion von Antikörpern in seinem eigenen Blut.

Neben dem ABO- und dem MN-System haben Genetiker etwa 14 Blutgruppen-Gensysteme identifiziert, die mit anderen Chromosomenpositionen verbunden sind. Das bekannteste unter ihnen ist das Rh-System. Die Rh-Antigene sind in der Humanmedizin von besonderer Bedeutung. Kurioserweise wurde ihre Existenz jedoch bei Affen entdeckt. Wenn Blut vom Rhesusaffen (daher die Bezeichnung Rh) in Kaninchen injiziert wird, produzieren die Kaninchen so genannte Rh-Antikörper, die nicht nur die roten Blutkörperchen des Affen, sondern auch die Zellen eines Großteils der Menschen verklumpen lassen. Einigen Menschen (Rh-negative Personen) fehlt jedoch das Rh-Antigen; der Anteil dieser Personen ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Ähnlich wie die Daten zum ABO-System deuten die Nachweise für die Rh-Gene darauf hin, dass nur ein einziger Chromosomenlocus (r genannt) beteiligt ist, der sich auf Chromosom 1 befindet. Für den r-Locus sind mindestens 35 Rh-Allele bekannt; grundsätzlich ist der Rh-negative Zustand rezessiv.

Ein medizinisches Problem kann entstehen, wenn eine Frau, die Rh-negativ ist, einen Fötus austrägt, der Rh-positiv ist. Das erste Kind hat vielleicht keine Schwierigkeiten, aber spätere ähnliche Schwangerschaften können zu stark anämischen Neugeborenen führen. Die Exposition gegenüber den roten Blutkörperchen des ersten Rh-positiven Fötus scheint die Rh-negative Mutter zu immunisieren, d. h. sie entwickelt Antikörper, die bei jedem nachfolgenden Rh-positiven Fötus dauerhafte (manchmal tödliche) Hirnschäden verursachen können. Die Schäden entstehen durch den Sauerstoffmangel, der das fötale Gehirn aufgrund der starken Zerstörung der roten Blutkörperchen erreicht. Es gibt Maßnahmen, um die schwerwiegenden Auswirkungen der Rh-Inkompatibilität durch Transfusionen an den Fötus in der Gebärmutter zu vermeiden; eine genetische Beratung vor der Empfängnis ist jedoch hilfreich, damit die Mutter unmittelbar nach ihrer ersten und allen folgenden Schwangerschaften mit einem Rh-positiven Fötus Rh-Immunglobulin erhält. Dieses Immunglobulin zerstört effektiv die fetalen roten Blutkörperchen, bevor das Immunsystem der Mutter stimuliert wird. So vermeidet die Mutter eine aktive Immunisierung gegen das Rh-Antigen und bildet keine Antikörper, die die roten Blutkörperchen eines künftigen Rh-positiven Fötus angreifen könnten.

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